Schweigen ist Gold

Stressfaktor Camcorder
Stressfaktor Camcorder beim Vortrag

Viele Männer bringen ihre Frauen auf die Palme, weil sie bei Gesprächen über persönliche Dinge wie ihre Partnerschaft sprachlos sind und die Zähne nicht auseinander kriegen. Ehen und Partnerschaften kranken daran, dass Männer nicht über Gefühle reden und nicht zwischen den Zeilen lesen können. Das bringt Frauen schier zur Verzweiflung, denn sie brauchen den Austausch und das Gefühl, dass ihnen zumindest zugehört wird.

Wenn es dagegen um unpersönlichere Themen wie Autos, Hobbies und den Beruf geht, werden Männer auf einmal sehr gesprächig. In den meisten Köpfen spukt wahrscheinlich noch herum, dass Frauen doppelt so viele Wörter pro Tag reden wie Männer. Nach neueren Forschungen reden Frau und Männer aber gleich viel: Ungefähr 16.000 Wörter am Tag.

Während Schweigen also in bestimmten Situationen unangebracht ist und Konflikte verschärft, kann es in anderen Situationen sehr förderlich sein:

In Vortragssituationen zum Beispiel kommt das Schweigen meist viel zu kurz: Bei Firmenpräsentationen schütten die Referenten die Zuhörer unaufhörlich mit Fakten zu. Und in Rhetorikseminaren erlebe ich immer wieder, wie die Teilnehmer geradezu durch ihre Präsentationen hindurch sprinten: Die gefühlte Zeit ist offenbar viel länger als die tatsächlich vergangene. Besonders am Beginn des Seminars sind die Teilnehmer meist lange vor der gesetzten Deadline fertig. Und sie sind häufig der Meinung, die Zeit überzogen zu haben. Besonders krass ist dieses Phänomen, wenn der Vortrag auf Video aufgenommen wird. Denn der Camcorder wirkt offenbar stark Stress erhöhend.

Dass die Seminarteilnehmer schon vor der gesetzten Zeit fertig sind hat weniger damit zu tun, dass sie zu wenig Stoff bringen. Es liegt vielmehr daran, dass die Pausen fehlen. Ohne Pausen wirken viele Vorträge ermüdend, weil wir irgendwann das Gesagte nicht mehr aufnehmen können und nicht mehr mitkommen. Wohlgesetzte Pausen geben dem Zuhörer die Möglichkeit, den Vortrag zu verdauen und mitzudenken. Und ein Paar Sekunden Schweigen bringen Dramatik in den Vortrag. So können Sie den Spannungsbogen, den Sie mit Ihren Inhalten aufgebaut haben, wirksam unterstützen.

Und der Vortragende hat die Möglichkeit, seinen Blick über die Zuhörer schweifen zu lassen und zu prüfen, ob und wie das Gesagte bei ihnen angekommen ist.

Wie bei so vielen Dingen im Leben macht auch hier Übung den Meister: Bei meinen Rhetorikseminaren sind die Redepausen einer der fünf Punkte, die nach jedem Vortrag beim Feedback der Gruppe abgefragt werden. Und am Ende der Fortbildung ist dann meistens ein erheblicher Fortschritt zu verzeichnen.

 

Praxistipps:

  • Die Sekundenpause während eines Vortrages erhöht die Aufmerksamkeit
  • Machen Sie bei Präsentationen bewusst am Satzende eine Pause und schauen Sie in die Runde
  • Denken Sie in Gesprächen daran, dass auch Ihr Gesprächspartner mit Pausen arbeiten könnte und warten Sie ab, ob er auch wirklich am Ende seines Redebeitrages ist, bevor Sie selbst loslegen.

 Quellen

„Ohne Worte – Kommunikationsmittel Schweigen“ von Axel Gloger, in: Managerseminare 05/2012

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